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Die jungen grünen bern sind konsterniert über den erneuten unverhältnismässigen Polizeieinsatz in Bern vom letzten Samstagabend. Die Kantonspolizei kesselte eine friedliche Strassenparty, die unter dem Motto „FREI(T)RAUM“ stattfand, auf dem Bahnhofplatz ein, wendete übertriebene Gewalt an und verhaftete über 120 TeilnehmerInnen.
Bei der Einkesselung wurden Menschen, die friedlich zur Musik tanzten, mit Schlagstöcken angegriffen und mit Schildern auf den Boden gedrückt. Die Eingekesselten wurden stundenlang auf der Treppe vor der Heiliggeistkirche festgehalten und anschliessend auf den Polizeiposten im P+R Neufeld gebracht. Als sich vor dem Eingang zum Bahnhof (ausserhalb des Kessels) eine Gruppe formierte, die gegen den Einsatz protestierte und den Menschen im Kessel Sandwiches und Wasserflaschen zuwarf, schossen PolizistInnen mit Gummischrot (auf Schulterhöhe) in die Menge von Protestierenden und PassantInnen. Dabei wurden völlig unbeteiligte Menschen (Reisende, Gäste des Restaurant Tibits) gefährdet und getroffen. Diese gewalttätige Überreaktion der Polizei liess die Situation kurzfristig eskalieren und führte dazu, dass einige Wütende anschliessend auch Glasflaschen in Richtung der Beamten warfen.
Auf die Frage eines Passanten, was das Grossaufgebot und das überharte Vorgehen der Polizei rechtfertige, antwortete ein Beamter (Nr. 520) wörtlich: „Die Arschlöcher haben die halbe Stadt zerlegt. Etwas anderes kann ich nicht sagen.“
Dass am Rande des jederzeit friedlichen Strassenfestes einzelne Schmierereien zu verzeichnen waren, ist bedauerlich und wird von den jungen grünen bern nicht gutgeheissen. Es rechtfertigt jedoch nicht die kollektive Verhaftung von über 120 Menschen und auch nicht die massive Einschüchterung von Unbeteiligten. Mehrere PassantInnen und BeobachterInnen der Situation wurden von Polizisten bedroht, beschimpft und verhöhnt. Wer nach dem Grund des Einsatzes fragte, wurde mit vorgehaltener Gummischrotkanone aufgefordert, sich „zu verpissen“.
Der Einsatz zeigt einmal mehr, dass die Kantonspolizei Bern gewillt ist, jede Form von Systemkritik und Aktionen zur Rückeroberung des öffentlichen Raumes für nichtkommerzielle Zwecke mit Repression und Gewalt zu beantworten. Des weiteren stellt sich immer wieder heraus, dass viele PolizeibeamtInnen mit derartigen Konfliktsituationen auf der Strasse schlecht umgehen können und allzu schnell die Nerven verlieren, was auf Handlungsbedarf bei der Ausbildung der PolizistInnen schliessen lässt.
Die jungen grünen bern fordern die Verantwortlichen (Regierungsrat Käser, Polizeikommandant Blättler) einmal mehr auf, dem bunten Treiben der Blauen ein Ende zu setzen, auf Repression gegen kritische Jugendliche zu verzichten und Beamte, die Gewalt anwenden, Unbeteiligte bedrohen und verhaften, zur Rechenschaft zu ziehen.
Bern, 1. April 2012